Oberbürgermeister Dr. Lutz Trümper über die
"Rolle und Bedeutung des Kleingartenwesens für die Landeshauptstadt Magdeburg"
für die Mai-Ausgabe der landesweiten Verbandszeitschrift "Der Gartenfreund"
Kleingärten sind Lebensqualität!
Die Kleingartenanlagen in Magdeburg sind mit einer Fläche von mehr als 800 ha ein wichtiger Baustein des Grünsystems der Landeshauptstadt Sachsen-Anhalts. Etwa 700 ha dieser Kleingartenflächen werden von den Mitgliedern des Verbandes der Gartenfreunde in rund 240 Vereinen mit mehr als 15.800 Kleingärten genutzt. Magdeburg zählt damit nicht nur regional, sondern auch bundesweit zu den Städten mit der größten Dichte an Kleingärten: Auf 100 Einwohner kommen hier etwa sieben Parzellen. Diese überdurchschnittlich gute Versorgung spiegelt den Stellenwert und die langjährige Tradition der Kleingartennutzung für die Magdeburger Bevölkerung wider.
Kleingartenanlagen haben eine bedeutende Funktion als Erholungsraum und sind wesentlicher Teil der Magdeburger Freizeitkultur. Die Pflanzen bereichern das städtische Grün, befeuchten die Luft und erzeugen Unmengen von Sauerstoff – Eigenschaften, die angesichts der weltweiten klimatischen Entwicklung und sterbender Wälder immer wichtiger werden. Mit der Bewirtschaftung ihrer Parzellen leisten die Kleingärtnerinnen und Kleingärtner einen unverzichtbaren Beitrag zur Lebensqualität in Magdeburg. Ob Kinder, Erwachsene oder Senioren – alle finden im Kleingarten Raum zum Spielen, Beschäftigen, Erholen und Entspannen.
Tausende Magdeburgerinnen und Magdeburger erfreuen sich Jahr für Jahr an ihrer Parzelle. Obst und Gemüse aus dem eigenen Garten ist nach wie vor sehr begehrt: Ein Korb Tomaten oder eine Schüssel Erdbeeren – selbst gepflanzt und geerntet – sind immer etwas Besonderes. Sie stellen das Produkt einer eigenen Leistung dar – eine Freude, die nicht mit Geld zu beziffern ist.
Viele Kleingärtner verbinden mit ihrem Hobby auch die Pflege von persönlichen Kontakten und die Unterstützung für die Sparte oder den Verband. In vielen der Magdeburger Kleingartenvereine wird ein großes ehrenamtliches Engagement gelebt, was Dank und Anerkennung verdient. Ich erinnere an die kontinuierliche Teilnahme bei der jährlichen Frühjahrsputzaktion "Magdeburg putzt sich!". Seit Jahren sind die Kleingartensparten dabei unserer wichtigster Partner. Weit mehr als 4.000 Kleingärtner folgten allein in diesem Jahr dem Aufruf zum Frühjahrsputz und übernahmen damit Verantwortung für Ordnung und Sauberkeit in Magdeburg.
Vom Fleiß der Gartenfreunde profitiert auch die Magdeburger Tafel. Frisches Obst und Gemüse aus "Tafelgärten" kommen regelmäßig auf die Teller der Tafel und damit bedürftigen Mitmenschen zugute. Inzwischen ist das vom Verband der Gartenfreunde und der städtischen Beschäftigungsgesellschaft AQB initiierte Projekt "Tafelgärten" – das größte seiner Art in Deutschland.
Die Unterstützung bei der mehrfachen und stets erfolgreichen Teilnahme Magdeburgs am Bundeswettbewerb "Entente Florale – Unsere Stadt blüht auf" ist ein weiteres Beispiel für die enge Partnerschaft zwischen der Stadtverwaltung und den Kleingärtnern. Und mit dem Kinderumwelttag wird die volle Vielfalt eines Kleingartens bereits den jüngsten Mitbürgern unserer Stadt vorgestellt.
Initiativen wie diese sind für die weitere Entwicklung der Kleingärten in Magdeburg von enormer Bedeutung, denn die demographische Entwicklung hat in vielen Vereinen bereits zu einem spürbaren Rückgang der Nachfragen nach Parzellen geführt. Der Altersdurchschnitt der Pächter ist in den vergangenen Jahren stetig angestiegen, derzeit ist fast die Hälfte aller Magdeburger Kleingärtner älter als 60 Jahre. Der zunehmende Leerstand kann durch Neuverpachtungen längst nicht mehr vollständig ausgeglichen werden, auch wenn es noch Sparten gibt, die auf eine Warteliste verweisen können.
Diese Entwicklung zwingt zum Handeln. Die Magdeburger Stadtverwaltung hat bereits 2003 ein Konzept zur Kleingartenentwicklung erarbeitet. In Zusammenarbeit mit dem Verband der Gartenfreunde Magdeburg wurden darin langfristig zu stärkende Bereiche von Kleingärten herausgearbeitet sowie eine gezielte Reduzierung des Bestandes vorgeschlagen. 2008 hat der Stadtrat die Fortschreibung des Konzeptes beschlossen. In diesem Jahr wird das Kleingartenkonzept überarbeitet und künftig regelmäßig aktualisiert.
Hauptziel ist es, die Attraktivität von Kleingartenanlagen vor allem bei jüngeren Menschen zu steigern. Besonders Familien haben in den Kleingärten die Möglichkeit, die Natur mit allen Sinnen zu erleben und die Jahreszeiten zu spüren. Viele Kinder machen ihre ersten Naturerfahrungen in kleinen Gärten mitten in der Stadt. Sie entdecken in familiärer Atmosphäre Pflanzen und Tiere mitten in Magdeburg – etwas Spannenderes kann es für die Jüngsten unserer Gesellschaft kaum geben.
Schon heute gibt es viele Vereine, die ihre Sparten mit schönen Ideen einer breiten Öffentlichkeit präsentieren. Ein Beispiel dafür ist in Magdeburg die "Reichsbahnsparte Buckau". Sie widmet sich mit einem begehbaren Informationspfad und einem kleinen Museum in einem historischen Eisenbahnwagon liebevoll der Bahngeschichte und erfährt dabei eine gute Resonanz. Auch der Lehr- und Informationsgarten des Magdeburger Verbandes der Gartenfreunde ist ein anschauliches Bekenntnis zum Umgang mit der Natur und der Umwelt und ein beeindruckendes Beispiel für die Vielfalt Magdeburger Kleingartenanlagen.
Mit einer öffentlichen Grünfläche von etwa 1.400 Hektar gehört die Landeshauptstadt Sachsen-Anhalts zu den grünsten Städten Deutschlands. Zahlreiche Auszeichnungen der vergangenen Jahre sind eine Anerkennung und Wertschätzung für den kontinuierlichen Erhalt des städtischen Grüns. Mit der Pflege der über 100-jährigen Tradition des Kleingarten- und Siedlungswesens und dem Engagement der Kleingärtner wird Magdeburg auch künftig aufblühen.
Allen Kleingärtnerinnen und Kleingärtnern wünsche ich weiterhin viel Freude an ihren grünen Oasen.
Dr. Lutz Trümper
Oberbürgermeister
Quelle: Gartenzeitung "Gartenfreund"
|